Fit auf vier Rädern

Fit auf vier Rädern: Sille Boll mit neuer Rollstuhlsport-Gruppe für den SV Motor Falkensee!

Sille Boll (65) stammt aus Schleswig-Holstein. Von Kindesbeinen an ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Davon hat sie sich nie unterkriegen lassen – und sogar in der Nationalmannschaft im Rollstuhl-Basketball gespielt. Inzwischen lebt sie in Falkensee und setzt sich im Teilhabebeirat für eine barrierefreie Stadt ein. Seit Mai betreut sie für den SV Motor eine Rollstuhlsport-Gruppe. In Falkensee und Umgebung gibt es einige Menschen, die aus verschiedenen Gründen auf den Rollstuhl angewiesen sind.

Sille Boll hat in ihrem Rollstuhl 1976 und 1980 an zwei Paralympischen Spielen teilgenommen. Sie sagt: „Man darf den Rollstuhl nicht als Bürde sehen, er ist vielmehr eine tolle Hilfe. Viele Dinge wären mir in meinem Alltag gar nicht möglich, wenn ich den Rollstuhl nicht hätte. Als der SV Motor nach einem Zeitungsinterview auf mich zukam und mich fragte, ob ich mir nicht eine Rollstuhlsport-Gruppe vorstellen könnte, war ich sofort begeistert – und habe zugesagt.“

Seit diesem Mai gibt es im SV Motor Falkensee eine zehnte Abteilung – neben Tischtennis, Rollhockey oder Kegeln. Immer am Sonntag um 15:30 Uhr treffen sich die Rollstuhlfahrer in der neuen Turnhalle vom Lise-Meitner-Gymnasium, um sich gemeinsam zu bewegen und um Sport zu treiben. Wer mitmachen möchte, ist gern zu einem kostenlosen Probetraining eingeladen. Wer anschließend in den Verein eintritt, zahlt fünf Euro im Monat.

Sille Boll: „Wir fragen niemanden, warum er im Rollstuhl sitzt. Der Rollstuhl ist für uns ein Ermöglicher. Er ist unser Sportgerät. Am Anfang einer Einheit machen wir uns alle zusammen warm. Anschließend zeige ich den Teilnehmern ein paar Tricks und Kniffe, wie sie sich mit dem Rollstuhl besser im Alltag zurechtfinden. So lernen sie, Bordsteine zu überwinden, Rolltreppen zu benutzen oder geschickter und wendiger zu werden.“

Tatsächlich: Sille Boll zeigt bei unserem Besuch, was passiert, wenn man mit dem Rollstuhl ganz schnell rückwärts fährt und sich dann plötzlich weit nach vorne beugt: Dann macht der Rollstuhl eine schnelle Wende und man schaut wieder nach vorn!

Der SV Motor hat extra für die Rollsport-Gruppe viele Sportutensilien angeschafft, darunter Ringe, Bälle, Hockey- oder Badminton-Schläger. Sille Boll: „Gemeinsam spielen wir Torball, Hockey oder Badminton. Beim Badminton hat es sich bewährt, Luftballons zu verwenden, sie lassen sich besser kontrollieren.“

Für die Rollstuhlfahrer ist der Sport (www.motor-falkensee.de/rollstuhlsport/) ein wichtiger Termin, um „fit auf vier Rädern“ zu werden und um mehr Selbstvertrauen im Umgang mit dem Rollstuhl zu gewinnen. Sille Boll hat aber auch immer Leihrollstühle mit dabei – für Menschen, die keinen eigenen Rollstuhl oder keine Behinderung haben. Diese gelebte „umgekehrte Inklusion“ macht durchaus Sinn.

Das weiß auch die Mutter von Jonna Manske (16) aus Falkensee: „Unsere Tochter muss bald ein zweites Mal an der Hüfte operiert werden. Sie sagt: Der Sport fehlt ihr in der Erholungsphase. Wenn der Arzt es erlaubt, würde sie in dieser Zeit gern in der Rollstuhlsport-Gruppe mitmachen.“

Sille Boll: „Wir haben auch eine Familie aus Spandau, bei der ist die Großmutter auf den Rollstuhl angewiesen. Jeden Sonntag kommt sie zusammen mit ihrer Tochter und der Enkelin – und alle drei machen zusammen Sport. Das ist doch toll.“
Wichtig ist Sille Boll nur, dass sich neue Teilnehmer vor jedem Sonntag unter s.boll@posteo.de anmelden: „Falls das Training ausfällt, kann ich sie so alle benachrichtigen.“ (Text/Fotos: CS)

Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 201 (12/2022).